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Autismus

Da haben wir es nun offiziell. Eines der Zusatzkinder ist ein Autist.

Das, was mir nach der ersten Woche Zusammenleben mit ihm einfach nur falsch vorkam und was die fast 13 Jahre zuvor anscheinend niemandem aufgefallen ist, hat nun endlich einen Namen.

Die Pauken und Trompeten, die ich mir von dieser Erkenntnis erhofft hatte, blieben aus.
Wir leben nun seit über eineinhalb Jahren mit den Zusatzkindern zusammen und es ist nach wie vor ein Kampf.
Einer, der uns psychisch und physisch an unser Ende gebracht hat.
Wir haben Unterstützung an allen Ecken und Enden, haben Psychologen, Therapeuten, Supervision und viel Eiscreme im Haus, aber wir sind einfach am Ende.
Wir können ganz allumfassend nichts mehr tragen.

Die Diagnose ist erst einmal eine Erklärung.
Für seine Verhaltensweisen.
Für seine Art.
Für seine Übergriffigkeit.
Für die Dinge, die er den anderen Kindern antut.

Aber hilft das? Hilft das wirklich im Alltag? Wird sich da Verständnis entwickeln, wo es schon an Zugewandtheit fehlt? Wo wir uns anhören müssen, dass er uns nicht mag? Wo wir jeden Tag an seiner Verweigerung scheitern?
Müssen 7 andere Familienmitglieder das mitragen können?
Muss ich von den Kleinen verlangen, dass sie das die nächsten vier Jahre noch ertragen müssen? Die Ärgernisse? Das Piesacken? Die Verachtung? Das unangemessene Verhalten, das ihre Intimsphäre verletzt? Ihr Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit? Kann ich das verlangen?
Will ich das verlangen für ein Kind, das nicht meins ist?
Das ich weder liebe noch das mir auch nur ein Geringstmaß an Sympathie entgegenbringt?

Ich weiß es nicht.

Kampflos aufgeben werde ich nicht. Das entspricht mir nicht.

Wir werden in den nächsten Wochen mit der Psychologin grundlegende neue Verhaltensweisen und neue Kommunikationsarten mit ihm einüben.
Die gesamte Familie wird das tun. Und dann werden wir sehen, ob wir diesen Weg noch weiter gehen können.
Oder ob er anderswo besser aufgehoben ist.

Jadekompendium 18.01.2018, 12.00

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Sabine Kerschbaumer

Guten Morgen,

ich bin bisher nur stille Mitleserin und kann so gut verstehen - weil ich mit Autisten gearbeitet habe - wie schwierig der Umgang mit Eurem Zusatzkind ist. Aber: Ich weiß auch, wie hilfreich spezielle Therapien, evtl. sogar ein auf Autisten ausgelegtes Internat, sein können. Habt Ihr diesbezüglich Tipps bekommen?

Ich wünsche Euch viel Kraft für das was da noch kommt

Sabine

vom 02.02.2018, 08.18
Antwort von Jadekompendium:

Ich danke dir für deine Worte und Wünsche! Ja, wir haben eine Unmenge von Wegen aufgezeigt bekommen.
Die nächsten Wochen sind davon geprägt, den für uns (sowohl für uns als Familie als auch für ihn mit seinen anderen Bedürfnissen) passenden Weg zu finden.
Dabei werden wir gut begleitet - ich habe das Gefühl, dass wir uns unseren Weg schon bahnen werden. :)
Liebe Grüße!
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