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Muskelfaser- und Seelenrisse

Woche 8 nach dem Schwindel, Woche 8 nach der Sache mit den Muskeln und den Sehnen und der Halswirbelsäule und Woche 8, nachdem ich erkannt habe, dass mein Körper mir nicht mehr nur Warnschüsse vor den Bug setzt...

"Da.", sagt meine Physiotherapeutin ganz unaufgeregt, während ich bei gefühlten 45 Grad unter der Wärmelampe schwitze und sie mir unnachgiebig ihre Finger in die Schultermuskeln bohrt.

Ich zucke zusammen und spüre die Tränen, die mir in die Augen treten.

Sie fasst auf die rechte Seite, wo der Muskel nicht gerissen, sondern "nur" verspannt ist.
 "Da auch wieder.", sagt sie und ich merke erst jetzt, wie hoch ich beide Schultern schon wieder ziehe.

"Wenn man denkt, man kann nicht mehr weglaufen, dann spannt man sich an und zieht die Schultern hoch. Zur Verteidigung. Sie schützen sich. Und wenn man über einen so langen Zeitraum seinen Fluchtinstinkt ignorieren muss, dann macht das was mit dem Körper. Und das tut Ihnen jetzt so weh.", hatte sie mir vor Wochen gesagt.

Und ja, scheiße, ich kann nun mal nicht weglaufen.
Und ja, verdammt, ich muss mich schützen.
Vor so vielem, was meine Seele vergiftet.
Hier.
In meiner Burg, in meinem Rückzugsort, der keiner mehr ist.

Und darum sitze ich hier, heulend, mit einer gerissenen Muskelfaser, eingeklemmten Nerven und einem erneuten Bandscheibenvorfall auf C4.

Ich will unser Familienleben nicht mehr mit unserer Familientherapeutin besprechen.
Ich will keine Supervision, sondern meine Familie zurückhaben.
Ich will in meiner Freizeit mit dem Mann keine lösungsorientierten und sprachgewaltfreien Problemgespräche mehr führen, sondern Pausen haben.
Ich will das alles nicht mehr.

So.müde.

Meine Aufgabe ist es, wieder mehr auf mich zu achten.

Im vergangenen Jahr hatte ich zwei Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule, ständig Schmerzen in Rücken, Nacken und Schultern, jetzt einen Muskelfaserriss und Schwindelattacken aus der Hölle, eingeklemmte Nerven und so gut wie jeden Tag Kopfschmerzen.

"Sie.müssen.loslassen.", flüstert sie, während ich aufjaule, weil sie den Punkt an meinem Nacken erreicht hat, der meine Welt wieder dreht.

Der Raum kippt nach oben weg, ich halte mich an der Liege fest, versuche die Panik in den Griff zu bekommen und schließe die Augen.

Jadekompendium 31.08.2017, 12.00

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