Blogeinträge (themensortiert)

Thema: auf den Hund gekommen

Konditionierung [selbst schuld]

Ich habe mir meine Gassi-Trainings-Schuhe angezogen und der Hund versteht die Welt nicht mehr.
Wehleidig fiepend steht er unten in der Diele und jammert - zu Halsband, Leine und Geschirr blickend - zum Steinerweichen.
Ich will nur die Kilometer bis zur Schule und damit zur heutigen Theater/Musical-Aufführung der Kriegerprinzessin ohne Unfälle im Neuschnee schaffen - dem Hund allerdings ist es schleierhaft, wieso ich seine Schuhe auch außerhalb von Hundetrainingszeiten anziehen kann.

Folglich weint er nun seit 10 Minuten ununterbrochen abwechselnd die Haustür, seinen Haken und die Treppe an.
Irgendwas muss ja funktionieren...

Und da ich gemein bin, nehme ich mir vor, beim nächsten Training einfach mal meine Lederstiefel zu tragen, um ihn völlig aus dem Konzept zu bringen.
Denn diese Art von Konditionierung finde ich eher unangemessen...

[Völlig erschöpft vom vielen Winseln hat er sich nun mit tiefem Schnaufen aufs Sofa fallen lassen.
Ich mag diese Hundeerziehung ja.
Meistens.]

Jadekompendium 07.02.2018, 10.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Lehrstunden

Der kleine Braunbär, der mal ein Hund werden wollte, ist nun über ein Jahr alt und mitten in der Pubertät. Was ich momentan bei vier von sechs Kindern aushalte, werde ich wohl auch beim Hund überleben, aber die Kinder haben ja auch weder Reißzähne noch den unbändigen Drang, jeder langhaarigen Hündin hinterherzurennen...

In weniger umnebelten Momenten klappt das alles schon ganz gut, aber mit Ablenkung wird aus meinem Kuschelkalb plötzlich ein tollwütig umherspringendes schnappendes Monster auf vier Beinen. Ist nicht schön, müssen wir durch.
Hormone sind halt überall kleine Scheißer.

Dafür ist er deutlich lernfähiger als der leicht trottelige Eisbär, den ich früher als Hund hatte und auch solche Sachen wie an der Ampel die Fußgängertaste drücken funktionieren einwandfrei. Einschließlich Publikum aus lauter faszinierend starrenden Schulkindern, die dem Hund mal das Pfötchen schütteln wollen.
Davon hat er immerhin noch keines gefressen...

Die große Frage nach der Kastration treibt mich derzeit um, ich werde mich beizeiten noch einmal mit unserer Tierärztin beraten. Sobald wir einen anderen intakten Rüden treffen, ist jedes Benehmen dahin und sein Gehirn schaltet in den absoluten Dominanzmodus. Da braucht es schon mehr als nur einen Rüffel von meiner Seite bis er sich wieder beruhigt und mit kaputter Halswirbelbandscheibe ist die Kraft, die mich das körperlich kostet, enorm.

Dafür traut er sich inzwischen ohne ängstliches Fiepen in den Hasenstall und springt auch nicht mehr panisch weg, wenn eines der Riesenviecher zu ihm gehoppelt kommt. Trotzdem ist er froh, wenn wir wieder draußen sind.

Katzen sind nach wie vor die schrecklichsten Tiere auf der ganzen Welt.

Jadekompendium 01.02.2018, 15.00 | (0/0) Kommentare | PL

Training

Vielleicht habe ich ein ganz klein wenig vergessen, wie zeit- und fokusintensiv es ist, einen Junghund auszubilden. Vielleicht.

Es ist eine angenehme Erschöpfung, die sich in mir ausbreitet, wenn der kleine Braunbär, der eigentlich ein Hund werden wollte, und ich nach einer anstrengenden und erfolgreichen Trainingseinheit erschöpft aufs Sofa sinken und 15 Kilogramm Temperament plötzlich ganz weich und anschmiegsam werden.
Wenn der schwere Hundekörper sich an mich drückt und so lange in meinem Arm herumrakt, bis er wie ein Baby dort hängen kann und seine warme Schnauze genau in der Beuge zwischen Hals und Schulter zu liegen kommt.
Ein wohliges Seufzen, ein tiefes Ein- und Ausatmen und dann ist der kleine Kerl auch meistens schon im Land der Träume verschwunden.
Ich spüre sein Herz an Meinem und seinen Atem auf meiner Haut.

Zuhause. Einen kostbaren kurzen Moment lang.

Jadekompendium 13.01.2017, 12.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Therapiehund

Als die Züchterin uns begrüßte, hatte ich eigentlich nur Augen für das Welpengewusel hinter ihr. Und war sehr gespannt auf "unser" Baby. Wir konnten ihn uns nicht aussuchen, sie hatte ihn ausgewählt, nachdem sie hörte, dass wir eine achtköpfige Familie sind, mit Katzen, Hasen, großem Haus und Garten. Ich gebe zu, ich wollte einen süßen, verträumten, tapsigen Welpen.
Nur für mich, ganz alleine.
Das hatte ich mir verdient nach dem Alptraum der letzten Monate.

Sie kam mit einem kleinen Tornado auf dem Arm wieder und drückte ihn mir an die Brust. "Das ist Ihrer."
Ich war heilfroh, Kontaktlinsen und keine Brille zu tragen, denn die wäre kaputt gewesen. Für Entsetzen oder Enttäuschung hatte ich kaum Zeit, denn das wilde kleine Ding biss mir erst vor lauter Aufregung ins Gesicht, versuchte dann, mit dreckigen und nassen und kratzigen Pranken meine Haut am Hals aufzubuddeln, während es an meinem Ohr kaute.
Das flauschige Erlebnis, das ich wie beim ersten Hund damals vor 20 Jahren erwartet hatte, blieb aus. Stattdessen setzte ich das Energiebündel auf den Boden, um es mir in Ruhe ansehen zu können. Mit Milch-Reißzähnen am Ohr ging das schließlich nur schwer.
Ich redete mit ihm und nach ca. 2 Sekunden Aufmerksamkeit wetzte es davon. Raste einmal unter dem Tisch durch, nahm Decken, Schuhe und Vorleger mit, sprintete zum Sofa, riss ein wenig an dem Kuhfell, das auf dem Boden lag und versuchte dann, in den Kamin zu klettern.
Als ich in die Hocke ging, es ansprach und die Arme ausbreitete, schoss es wie von der Tarantel gestochen auf mich zu, schnappte nach meiner Hand und riss mich fast zu Boden.
So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Ich sollte in den folgenden Wochen und Monaten lernen, mit welcher Berechtigung die Züchterin ausgerechnet diesen Hund für uns ausgesucht hatte. Hochintelligent, schnell von Begriff und lässt sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen.
Die Kinder, die nun alle auch schon ein gewisses Alter haben, dass sie nicht mehr unbeholfen mit Tieren umgehen, lernten sehr schnell, dass auch Milchreißzähne fest zubeißen können, wenn man Mist mit dem Hund macht. Dass Gekreische und Gehampel den Hund aufdrehen und dazu führen, dass man seine Beine und Füße in Sicherheit bringen muss.
Und - dass ein Tier kein Spielzeug ist. Gerade mit dem Hang des einen Zusatzkindes, Tiere sehr übergriffig zu behandeln, ein Segen.

Mich dagegen zwingt der Hund, mein eigenes Handeln immer auf Ruhe, Logik und Konsequenz zu überprüfen. Was macht er, wenn ich mich wie verhalte? Er ist ein Spiegel und Regulativ meines Verhaltens gleichermaßen. Ich merke, je angespannter ich werde, desto gestresster reagiert er. Wenn meine Nerven zum Zerreißen gespannt sind, dann macht er eben alle fünf Minuten eine Pfütze in den Flur, obwohl er stubenrein ist. Ich brauchte einige Zeit, um diesen Zusammenhang zu realisieren. Inzwischen verordne ich den Kindern Zimmerzeit, bevor es soweit kommt.
Schnappe mir den Hund und trainiere mit ihm, kaspere mit ihm herum oder lausche nur seinem Herzschlag an meinem.
Je trauriger ich werde, desto näher kommt er. Stupst mich mit seiner großen Schnauze an oder knabbert mir zärtlich am Arm.
Er ist ein guter Gradmesser, wo ich mich in meiner Depression gerade befinde. Je besser es mir geht, desto weiter kann er sich von mir entfernt hinlegen. Je schlechter es mir geht, desto näher versucht er, sich an mein Herz zu kuscheln.
Und er erdet. Immer und überall.
Da ist kein Platz für Panikattacken, für Angst, für Zweifel.
Immer nur für das Hier und Jetzt. Und für das Atmen.

Jadekompendium 04.01.2017, 11.00 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Auf den Hund gekommen

Seit drei Wochen ist er nun hier.

Der kleine Kerl, nach dem der Mann und ich uns schon so lange sehnten und den wir uns wegen "der Umstände" so lange verboten haben, bereichert nun unser Leben und schafft es, meinen Fokus ganz spielerisch von all den Problemen wegzulenken, die mich immer tiefer in den schwarzen Abgrund ziehen.

Zwischen Kinderpsychiatrie, Supervision, Angst und Überforderung und einem Alltag, der für acht Menschen erst einmal organisiert werden will und in unserem speziellen Fall auch durch viel Morast bewältigt werden muss, ist der kleine braune Schokokeks mein Licht, das mich nach oben sehen lässt.

Loslassen ist meine größte Herausforderung.

Und wenn ich morgens weinend in der Küche stehe und für einen weiteren Tag weder ein noch aus weiß, dann sitzt da jemand, der - meistens mit einem meiner Schuhe in der Schnauze - ganz unmissverständlich fordert:

Ich bin hier. Komm du auch zurück ins Hier und Jetzt.

Jadekompendium 18.11.2016, 12.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

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