Blogeinträge (themensortiert)

Thema: erziehen und ziehen lassen

Begreifen

Was zu Ende ist, ist zu Ende.

Jadekompendium 31.12.2018, 12.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Erkenntnisse [bitter]

Ich dachte, dass ich dein Zuhause bin.

Jadekompendium 09.12.2018, 18.00 | PL

Drama, Baby!

Am Wochenende hatte die Kriegerprinzessin endlich ihren Auftritt als heimliche Geliebte des Landhausherren in ihrer English-Drama-Class. Durch das Üben in den letzten Monaten wusste ich zwar schon, worum es ging (und hätte auch den gesamten Text einfach mitsprechen können), aber sie dort zu sehen, war einfach wunderbar. Ich glaube, dass sie trotz holprigem Start gut in ihrer neuen Schule angekommen ist und freue mich auf die nächsten Jahre, die sie dort verbringt. So schön dieses Erlebnis war, so kalt erwischte mich das Wiedersehen mit vielen der Freunde des großen Tochterkindes. Die halfen nämlich an verschiedenen Orten in der Schule mit und sammelten für ihr Abitur. Der Schmerz, das Tochterkind dort nicht mehr miterleben zu dürfen, kam plötzlich und intensiv. Wie immer bleibt die Sprachlosigkeit.

Jadekompendium 03.12.2018, 12.00 | (0/0) Kommentare | PL

Wahrheiten

Sprachlosigkeit bezieht sich manchmal nicht nur auf Worte. Sondern auch auf Gedanken. Das, was im Moment in meinem Kopf herumgeistert, schwebt, mich quält, tagaus, tagein, lässt sich weder greifen noch in Form gießen. Ich bin am Ende. Mit meinem Latein, mit meinen Nerven, mit meiner Hoffnung, und manchmal denke ich - auch mit meiner Mutterliebe. Kann ich jemanden lieben, den ich nicht kenne? Sie sind qualvoll, diese Gedanken. Sehr.

Jadekompendium 23.11.2018, 09.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Sieben

Der närrische kleine Tuk hatte Geburtstag.
Und ich merke, dass mit der Zeit die Erinnerungen an die Geburten der Kinder und die Zeiten danach nicht unwichtiger, aber deutlich leiser werden. Natürlich habe ich mich erinnert, wie wir es nicht mehr geschafft haben, die anderen Kinder zur Tagesmutter zu bringen. Natürlich weiß ich noch, wie die Frau von der Anmeldung das alte Ehepaar aus dem Fahrstuhl gezogen hat, damit wir zuerst hochfahren können.
Wie meine Hebamme in lilafarbenen Gummistiefeln und schwarzem Minirock auf uns wartete und unsere übrigen Kinder dem verdatterten Arzt in die Hand drückte, bevor sie ihm die Tür vor der Nase zumachte. Und wie ich gefühlt gerade ein paar wenige Minuten im Kreissaal stand, immer noch verdattert, dass mein Körper bei seiner letzten Geburt all die Arbeit ohne Wehentropf schon ganz alleine zuhause gemacht haben sollte und dann nach Wimpernschlägen nur dieser winzige Brocken in diese Welt plumpste.
Ich weiß auch noch, wie glücklich ich dort, in diesem Moment war. Wie der Mann unsere Hebamme sanft beiseite schob und leise sagte: "Nein. Das ist meine Aufgabe."
Es war ein Moment des absoluten Glücks und des absoluten Friedens. 
Dieser Eine nur, bevor mein Körper seinen Dienst versagte und die folgenden Monate in Schmerz, Depression und Dunkelheit versanken.
Ich habe Fotos gemacht.
Jeden einzelnen Tag.
Damit ich mich trotz allem an seine Entwicklung erinnern würde, obwohl die Tage so verdammt schwarz waren.

All das hat weder seine Bedeutung noch seine Berechtigung - sondern nur seine Lautstärke verloren. 

Laut sind heute nur noch die Erinnerungen an sieben prall gefüllte Jahre mit diesem besonderen Kind.
Erinnerungen an jedes Lachen, jeden Wutanfall, jede Irrung und Wirrung, die wir mit ihm gegangen sind.
Sein Charme, seine rasante Entwicklung, seit er endlich hören kann, seine unfassbar liebenswerte Art.
Unser Nesthäkchen.
Unser letztes Kind.
So viel Liebe.

Jadekompendium 08.10.2018, 12.00 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Tag der Entscheidung

Heute ist es soweit. Heute ist der Tag, bis zu dem das Kind mit seiner Entscheidung Zeit hatte. Ab heute Abend gilt es. Und so, wie es im Austausch mit ihr aussieht, stehen alle Zeichen auf "Neuanfang" in der Ferne. Mir blutet das Herz. Die Umzugskartons stehen oben in ihrem Zimmer und heute Abend hat das Warten endlich ein Ende. Entweder kommt sie nach Hause zurück oder wir können endlich etwas tun - umräumen, abmelden, umstrukturieren. Es tut alles so unendlich weh. Selbst wenn ich versuche, die Entscheidung nicht "gegen" mich, sondern "für" etwas anderes zu werten - es tut einfach alles nur so schrecklich weh. Ich bin so dankbar, dass die Wartezeit heute Abend zuende ist. Dass wir dann eine Entscheidung haben. Alles ist besser als Unsicherheit. Noch 6 Stunden bis zum Telefonat mit ihr. Die Chaoskinder wollen und werden dabei sein und sind in den vergangenen Tagen darauf vorbereitet worden, dass ihre große Schwester eventuell nicht mehr hierher zurückkehrt.
Wie sehr kann so ein Herz weh tun?

Jadekompendium 15.08.2018, 12.00 | (3/1) Kommentare (RSS) | PL

Der verlorene Kater

Die Tage sind schwer. Wir warten auf die Entscheidung des großen Tochterkindes. Auf eine weitere Entscheidung... Sie hat so viele davon getroffen. Ohne unser Wissen. Oder wollten wir nicht sehen? Die Zweifel sind groß dieser Tage.

Beim Gedanken an die Dinge, die ich bislang erfahren habe, wird mir nach wie vor schlecht. Ich bin - irgendwo ganz weit hinten in meinem Gehirn - dankbar, dass ihr bei alledem nichts passiert ist.

Aber das vorherrschende Gefühl ist stumme Wut. Und weiter gedacht: Ist ihr denn wirklich nichts passiert? Wieviel Schaden haben diese Ereignisse in ihrer Seele angerichtet?
Gar keinen, könnte man meinen, wenn man diese trotzige stolze junge Frau ansieht.
Aber auch das wird nur Fassade sein.
Sie bedaure es, dass sie noch nicht 18 sei. Dass wir noch "in diese Sache mit reingezogen" werden.

Ich kenne diesen Menschen nicht.

Wie lange habe ich nur das Bild von ihr wahrgenommen, das ich hatte? Wann hat sie begonnen, sich so zu verändern? Werden wir jemals die ganze Wahrheit erfahren? Wollen wir das überhaupt? 

Ihr leiblicher Vater lockt mit seinen ewigen Versprechungen "Hier wird alles besser, hier ist alles schöner, hier kannst du neu anfangen".

Wir bleiben stumm.
Wir wollen uns nicht vermarkten.
Wir buhlen nicht.

Die Entscheidung, die sie zu treffen hat, sollte im Innersten getroffen werden. Die rosa-bunte Zuckerwattewelt, die er ihr verspricht, gibt es nicht. Das wird sie vielleicht erst dann erkennen, wenn es zu spät ist.

Bis dahin werden weiterhin Altlasten über Bord geworfen. Der Hase. Der Kater soll nun auch nicht mehr ihrer sein. Kein Interesse mehr.
Wir sind noch über. Aber auch wir passen nicht in ihr neues Leben. Sind spießige Überbleibsel der Welt, aus der sie zu fliehen versucht.

Es tut gerade alles so weh.
Die Liebe, die Enttäuschung, die Hoffnung.
Gefühle, zäh und klebrig wie Honig.

Ich habe Umzugskisten gekauft. Ich gehe davon aus, dass sie befüllt werden.

Jadekompendium 09.08.2018, 13.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Abschiede

Laut ist es in mir.
So laut, dass ich kaum Worte finde, die nach außen dringen können, um Ordnung in das Chaos zu bringen.
So viele Baustellen gleichzeitig, so viele Umstände, Zustände, Missstände... wir zerreißen uns und doch ist es nie genug.
Nie genug Zeit, nie genug Kraft, einfach nie genug...
Wir sind am Limit dessen, was wir bewältigen können.
Ich finde ein wenig Trost draußen, an der frischen Luft, bei den Tieren, an der Sonne, im Regen, im Grün des Gartens.
Das große Kind entgleitet mir und nicht so, wie ich mir das immer gewünscht habe.
Ich muss auch den letzten Rest noch loslassen und Vertrauen haben in das, was da vielleicht draus erwachsen kann.
In das, was wir gesät haben.
Die Familie verkleinert sich wieder, lange bevor ich dazu bereit gewesen wäre.
Frage mich, wo meine Schuld liegt. War ich zu streng? Zu nachsichtig? Zu... irgendwas?
Oder hat auch das alles gar nichts mit mir zu tun?
Ist das letzten Endes der Lauf der Dinge?
Meine Aufgabe ist es, bei mir zu bleiben.
Bei meinem Leben. Nicht als Mutter oder Frau. Sondern meinem ureigenen Leben als Mensch.
Das geliebte große Kind, das eigentlich noch gar nicht so groß ist, will nun selber erwachsen sein.
Ohne Rücksicht auf irgendetwas oder irgendjemanden.
Und auch hier heißt es: mein moralisches Wertesystem muss nicht Ihres sein.
Sie darf ein eigener Mensch sein. Auch einer, der lügt und betrügt.
Nur auf lange Sicht nicht mehr hier in unserem Haus.
Das ist für uns inakzeptabel.
Und das wird sie genauso akzeptieren müssen wie wir andersherum.

Jadekompendium 10.07.2018, 12.00 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

gescheitert

Es sind vielleicht die bittersten und zugleich erlösendsten Worte, die Eltern aussprechen können, wenn sie müssen. "Wir sind gescheitert." Gescheitert... woran? An dem Anspruch, ein Kind auf das Leben vorzubereiten. An dem Anspruch, aus einem Kind ein soziales Mitglied der Gesellschaft zu machen. An dem Anspruch, ein Kind dazu anzuleiten, sich selbst versorgen und glücklich machen zu können. Die "Krisenintervention", die hauptsächlich dazu diente, ein angeblich hochsuizidales Kind für 48 Stunden wergzusperren und uns dann mit allem wieder alleine zu lassen, hat viel in Bewegung gesetzt. In dem Kind, in uns, in der Familie. Wo vorher schon Unwohlsein war, ist jetzt offene Ablehnung. Das schale Gefühl, von einer narzisstischen 16jährigen einfach nur an der Nase herumgeführt worden zu sein, bleibt. Seit dem ist Vieles zerbrochen, von dem ich vorher nicht dachte, dass es schon angeschlagen sei. Ich habe mich geirrt. Mal wieder. Wir haben zwei Jahre lang versucht, einen psychisch anscheinend schwer gestörten Menschen in eine Familie zu integrieren, die gar nicht zusammenwachsen konnte, weil das auf mehr Ebenen sabotiert wurde als ich mir hätte vorstellen können. Jetzt sind die Fronten klar. So viel Bedauern über so viel vergeudete Lebenszeit und Energie.
Wir gehen weiter.

Jadekompendium 18.06.2018, 12.00 | PL

Von der Selbstverständlichkeit der Mithilfe

Wir machen gerade Holz und ich liebe es, mit welcher Unermüdlichkeit die Kinder ihren Beitrag leisten. Selbst der närrische kleine Tuk schnappt sich jeden Tag seine Lieblingssäge und sägt seine zwei oder drei Stücke Holz in passende Abschnitte, damit das Holz gespalten und gelagert werden kann. Und so gehen wir jeden Tag den großen Holzstapel im Garten von den Baumfällungen an und tragen ihn ein Stückweit ab. Die Großen wie die Kleinen. Diese Dinge funktionieren einfach nur gemeinsam.

Jadekompendium 09.05.2018, 12.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL



Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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