Blogeinträge (themensortiert)

Thema: out of order

Zerbrochenes

Und wieder einmal.

Die letzten Wochen mit all ihrem Terminstress, der Alltagshektik nach den Sommerferien und den neu zu findenden Abläufen ohne Uroma und mit inzwischen sechs Schulkindern haben mich wieder voll erwischt.
Schneller, höher, weiter, besser, effizienter.

Der letzte Zusammenbruch ist jetzt ein paar Tage her und er tat weh.
Nicht einfach nur die Schulter und der Hals und der Nacken und der Schwindel, sondern die Seele.

Die Belastung durch die Zusatzkinder hat ein Ausmaß angenommen, das wir auch mit familientherapeutischer Hilfe kaum etragen können.
Zu weit sind diese Welten voneinander entfernt, zu wenig Gefühl ist vorhanden und zu lange verweilten diese Kinder schon im Brunnen.
Ohne jede Wertung der Situation müssen wir feststellen, dass wir für uns gescheitert sind.

Nicht in den Rahmenbedingungen, sondern im selbstgesteckten Ziel.

Die Rolle der ungeliebten Stiefmutter ist keine, die ich jemals haben wollte, aber nunja, das Leben ist kein Wunschkonzert, sagte Uroma immer.

Meine primäre Aufgabe mit dem Mann besteht darin, die Haltung der Kinder so zu akzeptieren und ihnen somit zumindest Akzeptanz, Kontinuität und ein Zuhause zu bieten.
Sie schulisch und menschlich soweit zu unterstützen, dass sie in einigen Jahren mit abgeschlossenen Berufsausbildungen ihr eigenes Leben bewältigen können.

Und dafür, dass ich ihnen zumindest ein wenig Lebenstüchtigkeit beibringe, muss ich nicht gemocht werden.

Die Energie, die ich im vergangenen Jahr dafür aufgewandt habe, das hier für alle Beteiligten passend zu machen, kann ich nun besser nutzen.

Jedes Scheitern birgt auch einen Neuanfang.

Kati 27.09.2017, 12.00 | (0/0) Kommentare | PL

gegen Windmühlen

Er sitzt vor unserem Supermarkt und spielt Akkordeon.

Mein gesamtes Münzgeld wandert in den zerrissenen Karton, der vor ihm steht und ich lächle ihn an.
Er lächelt zurück.
Ich mag sein Instrument - es scheint schon viele Orte gesehen zu haben.
Ich höre den einen schiefen Ton und sehe das abgeschrabbelte Leder der Gurte.

Es erinnert mich an Uropas Akkordeon, das er mir vererbt hat.
Das Akkordeon war vor 35 Jahren mein erstes Instrument, das wirkliche Liebe zur Musik geweckt hat.

"Wozu gibst du ihm Geld?", reißt mich das eine Kind aus meinen Gedanken.

Ich schweige zunächst, weil ich noch darüber nachdenke, wohin es mit seiner Frage möchte.

"Mama fand Bettler immer doof."


Ja, das denke ich mir, sage es aber nicht.
Es ist so viel Menschenverachtung in diesen Kindern, die ich manchmal nur schwer ertragen kann.

"Er bettelt nicht.", antworte ich also nur ruhig. "Er musiziert. Ich habe meine Anerkennung in Form von Geld ausgedrückt."

"Du gibst aber auch Bettlern immer Geld."

"Ja, das tue ich. Weil ich es will und wichtig finde."


Ich überlege, ob ich ein weiteres Mal meine Einstellung zu diesen Dingen erklären soll.
Ich entscheide mich dagegen.

Meine Kinder kennen meine Sicht auf diese Welt und die Zusatzkinder haben in über einem Jahr sehr wohl mehr als nur einen flüchtigen Blick darauf werfen können.
Ich habe im vergangenen Jahr so viel geredet wie in den ganzen 14 Jahren Mutterschaft davor nicht.

Und irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem das keinen Sinn mehr macht.
Ich muss ihre Leben nicht leben.

Sie entscheiden selber, was sie für Menschen sein wollen.

Kati 30.08.2017, 12.00 | (3/1) Kommentare (RSS) | PL

Vom Schwindeln

Vor fünf Tagen wachte ich auf und meine Welt kippte.
Ich öffnete die Augen und hielt mich voller Panik am Bett fest.

Ich hatte das Gefühl, nach oben gezogen zu werden und nach unten zu fallen.
Nichts war mehr in Ordnung.
Einen halben Tag lang konnte ich mir einreden, dass es vielleicht neue Zyklussymtome seien.
Oder einfach nur ein Scheißsonntag.
Wer weiß das schon.

Am nächsten Morgen und mehrere Panik- und Heulanfälle später war ich bereit, zum Arzt zu gehen, wohin mich der Mann auch auf schwankendem Boden verfrachtete.
Ich saß in einem kippenden Wartezimmer und sah nur noch verschwommen und betete, dass es irgendwas Harmloses sei.
Nacken? Schulten? Rücken? Waren die ersten Fragen des Hausarztes und ich verneinte, weil alles nur normal weh tat.
Da hätte es vielleicht schon klingeln können.
Eine halbe Stunde später hatte ich eine Überweisung zum HNO-Arzt und immerhin Tabletten gegen Schwindel, die bewirkten, dass ich todmüde wurde und die Schränke nur noch von links nach rechts schwankten.

Nachmittags saßen wir dann beim HNO-Arzt in der Praxis und ich tastete mich an den Wänden entlang Richtung Behandlungszimmer.
Nach lustigen Spielchen mit einer Brille sagte der Computer, dass mit meinem Gleichgewichtssinn alles in Ordnung sei.
Der Arzt machte noch mehrere Tests und erzählte mir irgendetwas, das ich nicht verstand. Drückte mal hier, mal dort und erklärte mir, dass meine Augen zucken, wo sie nicht zucken sollten, wenn ich etwas fokussiere.
Stress, stellte er mehr fest als dass er fragte.
Ich nickte beklommen. Joah, schon.
Er nahm seinen Daumen und drückte mir zielstrebig in die Halsseiten.
Alle meine Nervenenden schrieen gepeinigt auf.
Ha!, machte er triumphierend und freute sich.
Ich mich nicht so.
Ich wurde in ein anderes Zimmer gebracht und auf einen Stuhl verfrachtet.
Spritzen. Betäubungsmittel für die Nervenstränge, die sich da in meiner total verhärteten Nackenmuskulatur eingeklemmt hatten und dafür sorgten, dass ich liegenblieb, weil meine Welt sonst schwankte.

Die Lektion kommt so lange wieder bis wir sie verstanden haben.


Bei der ersten Spritze dachte ich, ich muss ihm schreiend vom Stuhl springen und dann machte der Muskel plötzlich "ping" und meine Welt hörte auf, sich zu bewegen.
Die Entspannung war kaum zu ertragen.
Er kippte den Stuhl in Liegeposition und sagte: "Genießen Sie es!".

Was folgte, war ein Gespräch über meinen Stress. Nicht, dass ich dieses Gespräch nicht schon jedesmal mit jemandem geführt hätte, wenn mein Nacken oder meine Schultern oder mein Rücken mal wieder bis zur Besinnungslosigkeit wehgetan haben. Aber es war, als würde ich das erste Mal zuhören können.

Meine Welt kippt.

Und ich bin die Einzige, die etwas dagegen tun kann.

Ich kann die Umstände nicht ändern. Ich kann die Probleme nicht wegzaubern.
Aber ich kann entscheiden, mit beidem anders umzugehen als bisher.

Kati 13.07.2017, 12.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Außer Betrieb

Ich wünschte, ich hätte die Worte für das, was in mir vorgeht.
Ich scheine auch sie verloren zu haben, wie so vieles im Laufe der letzten 12 Monate.
Ich wünschte, ich hätte die Worte, dem Mann zu sagen, wie tief meine Dankbarkeit für ihn geht.
Ich wünschte, ich hätte mich nicht selbst verloren auf dieser Reise, die nicht meine ist.
Ich bin in die falsche Richtung gegangen.
Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem es kein weiter und kein vorwärts mehr gibt.
Mein Körper und mein Geist haben die Waffen gestreckt.

Kati 11.07.2017, 22.00 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL




Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.


woanders:




















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